Historisches

 

Historisches des Vereins der Kleingärtner „Am Kärrnerweg“ e.V. Leipzig

 

Der Verein wurde am 30. Januar 1927 von Gartenfreunden gegründet, die ihren Garten infolge von Baumaßnahmen der Stadt verloren hatten. Sie gaben dem Verein den Namen „Früh Auf“. 1933 wurde der Name in „Am Kärrnerweg“ geändert. Ihnen stellte der Stadtrat ehemaliges Gutsland im Stadtteil Stötteritz zur Verfügung.

Sie gingen mit großem Elan an die Schaffung einer großzügigen Anlage, die Gartenfreunden und Anwohnern, Erholung und Entspannung geben sollte. Bereits Ende 1927 waren etwa 200 Gärten erschlossen, die alle über einen Trinkwasseranschluss verfügten und eine 5000qm große Festwiese geschaffen. Im Sommer1928 wurde das erste Sommer- und Kinderfest mit großem Erfolg ausgerichtet.

 

                        Entspannen im neuen Garten                                                                                                         Sommerfest 1929

 

Die Gartenanlage liegt am Rande eines großen Wohngebietes, so dass die Bevölkerung von Anfang an in das kulturelle Leben des Vereins einbezogen wurde. Außerdem grenzt sie direkt an die Endstelle der Straßenbahnlinie 4 an. Man kann den Verein in ca.15 min von der Innenstadt aus erreichen.

In den folgenden Jahren bis zum Kriegsausbruch waren die Sommerfeste des

Vereins gleichzeitig Volksfeste für den gesamten Stadtteil. Sie begannen mit einem Festumzug am Bahnhof Stötteritz führten durch das gesamte Wohngebiet und endeten auf der großen Wiese des Vereins. Dort warteten Schausteller, Karussells, eine eigene Tombola. Die Kindergruppen und der Spielmannszug des Vereins gaben ihre Darbietungen und abends war große Tanzveranstaltung. So wundert es nicht, dass bis zu 5000 Menschen das Fest besuchten. 1928 wurde auch die erste, noch etwas primitive Gaststätte in Betrieb genommen, die in den Folgejahren ausgebaut und 1931 durch einen Vereinssaal erweitert werden konnte.

Von 1928 bis 1939 gab es jeden Winter die Möglichkeit Schlittschuh zu laufen. Schon beim Bau der Festwiese waren 3 Wasseranschlüsse verlegt wurden, so dass bei Frost und Schnee eine Spitzeisbahn betrieben werden konnte. Das war damals die Attraktion von Stötteritz, denn auch abends konnte gelaufen werden, da elektrische Beleuchtung und Musik vorhanden war.
Natürlich kostete es Eintritt.

                              Festzug durch Stötteritz                                                                                                                     Eisbahn 1932

 

In den 30er Jahren richtete das Vorstandsmitglied Andreas Hohmann in einer Ecke des Vereinsschuppens eine kleine Ausstellung zum Vogelschutz ein und legte auf einer Brachfläche einen Vogelschutzhain an. Es war sein Hobby und sollte später sein Lebenswerk werden.

Nach dem Krieg übernahm Andreas Hohmann als Vorsitzender die Geschicke des Gartenvereins und setzte gemeinsam mit seiner Frau die Tradition der Kinderspiele fort.
So wurden die Kinder von der Straße geholt und eine geregelte Freizeit gesichert.

1951 wurde dann das erste Sommer- und Kinderfest nach dem Krieg gefeiert. Die Tradition des Festzuges durch Stötteritz wurde wieder aufgenommen und bis 1959 beibehalten. Sie gestalteten sich wieder zu Höhepunkten des gesellschaftlichen Lebens in Stötteritz mit tausenden Besuchern.

Eine Eisbahn war nicht mehr möglich, da Strom und Wasser für solche Zwecke nicht zur Verfügung standen.

 

1954 konnte Andreas Hohmann einen nicht mehr benötigten Pavillon erwerben, den er neben der Gaststätte aufstellen ließ.

Hier richtete er die erste Vogelschutzlehrstätte Deutschlands in einem Gartenverein ein, die 1955 mit viel Prominenz eingeweiht werden konnte.

Andreas Hohmann schied aus dem Vorstand aus und widmete sich bis zu seinem Lebensende dem Vogelschutz. Die Lehrstätte wurde 1959 vom Stadtverband übernommen.

In den 60er Jahren konnte der Verein noch von seiner Substanz und Tradition zehren, doch dann waren Umgestaltungen unumgänglich. Der Verein setzte sich zum Ziel „Anerkanntes Naherholungsgebiet“ der Stadt Leipzig zu werden.

Es erfolgte

-         eine Grundinstandsetzung des Vereinsheimes

-         Die Schaffung einer großzügigen Freisitzfläche vor der Gaststätte mit Bänken und Blumenrabatten auch außerhalb des bewirtschafteten Teiles

-         Der Bau eines Kinderspielplatzes mit großem Sandkasten, Klettergerüst

Wippe und Schaukel

-         Aufstellung von 2 Tischtennisplatten aus Betonfertigteilen

-         Die gesamten Vereinswege wurden während der Sommermonate nicht

mehr verschlossen und konnten von der Bevölkerung zum Spazieren- gehen genutzt werden.

-         50 % der Gartenpächter schlossen sich zu einer Stromgemeinschaft zusammen und schlossen ihre Gärten an das öffentliche Stromnetz

an. ( Heute sind es 100%).

-         Der Freisitz erhielt eine Beton-Tanzfläche und Beleuchtung, so dass

sich viele Gartenfreunde an den Wochenenden vorn trafen und gemütliche

Abende verbrachten.  

 

Im Jahr 1979 erhielt unsere Anlage diese Auszeichnung und verteidigte sie bis zur Wende.

Das Vereinsleben war sehr vielfältig. Außer den Sommerfesten gab es ein Frühlings- und ein Herbstfest, das Frauenaktiv gestaltete Kinder- und Rentner-Weihnachtsfeier und viele Gartenfreunde und Gäste verlebten auch Sivester im Vereinsheim.

Im Jahr 1987 hatte der Zahn der Zeit so am Vereinsheim genagt, dass es abgerissen werden musste. Der Vereinssaal blieb allerdings erhalten.

Mit viel Eigeninitiative und unter Umgehung der Bilanzen wurde in 2 Jahren ein neues Objekt geschaffen und im Frühjahr 1989 eingeweiht.

 

                 Unser Vereinsheim mit Freisitz                                               Sommerfest heute – Andrang vor der großen Bühne

 

Nach der Wende gab es nun mehr Möglichkeiten für die Gestaltung der Sommerfeste und anderen gesellschaftlichen Veranstaltungen. Diese wurden vom Vorstand intensiv genutzt, so dass der Besucherzustrom trotz der neuen Reisemöglichkeiten nicht nachließ.

1999 wurde Peter Kanis zum Stellv. Vorsitzenden gewählt. Keiner hätte damals gedacht, dass er in dem nächsten Jahrzehnt die Gartenanlage derartig umkrempelt und erneuert.
Es begann mit der Beseitigung des alten Kompostierplatzes und des Anlegen eines kleinen Parks, der dann für die Ausrichtung kleinerer Veranstaltungen, wie z.B. Osterfest mit Osterfeuer genutzt wurde und wird.

Danach nahm er sich das Vereinsheim vor, um die neuen technischen und hygienischen Bestimmungen erfüllen zu können. Der Vereinssaal bekam einen neuen Fußboden und Farbanstrich.

Danach erfolgte in Etappen die Erneuerung der Wasser- und Elektroleitungen in der gesamten Anlage. Bei der Gelegenheit wurden auch alle Wege befestigt und mit Split beschichtet und Tore an allen Wegen, die nach außen führten, eingebaut.

Diese Maßnahmen waren im Jahr 2012 im Wesentlichen abgeschlossen. Die Festwiese erhielt eine neue Baumbepflanzung, da die alten Obstbäume ihr Rentenalter erreicht hatten.

Maschinen und Werkzeuge wurden angeschafft, um die großen Rasenflächen und Hecken mit vernünftigen Aufwand pflegen zu können.

Der alte Vereinsschuppen wurde innen neu gestaltet, damit die neuen Geräte auch sicher abgestellt und gewartet werden konnten. Außen erhielt er ein völlig neues und attraktives Outfit und konnte so zum Sommerfest 2009 eingeweiht werden.

Von 2005 an erfolgte die Restaurierung einer Laube aus dem Jahr 1929, um diese als Museum für eine Dauerausstellung zur Historie unseres Gartenvereins zu nutzen. Die Einweihung fand 2007 anlässlich unserer 80-Jahrfeier statt. Viele Gartenfreunde, Gäste und Bewohner der angrenzenden Wohngebiete haben zwischenzeitlich die Ausstellung besucht und waren voll des Lobes.

In Verbindung mit dem Bürgerverein Stötteritz wurde zu Sommerfesten die Ausstellung durch Schautafeln zur Entwicklung des Stadtteiles Stötteritz ergänzt.

Seit einigen Jahren hat der Verein leerstehende Gärten als Tafelgärten und Kräutergärten umgestaltet, um einer Verwahrlosung vorzubeugen. Diese Gärten werden durch Arbeitskräfte der Organisation „Arbeit und Leben“ bewirtschaftet.

Letzter Höhepunkt im Jahr 2012 war die Feier zum 85jährigen Bestehen unseres Vereins. Anlässlich dieser Feier wurde unser neu geschaffener Begegnungsgarten durch den Bürgermeister, Herrn Rosenthal, eingeweiht.

Es sollte bei dieser Auflistung aber nicht vergessen werden, dass neben den hohen Eigenleistungsanteil auch ca. 150.000 € an Geldmitteln von den Vereinsmitglieder aufgebracht worden sind.

 

             Museumslaube                                                                                                    Einweihung des Vereinsschuppens

Zuletzt noch eine Bemerkung zum Spielplatz auf der Festwiese. Ende der 90er Jahre wurden die alten Spieleinrichtungen entfernt und durch eine hohe Burg mit Metallrutschbahn ersetzt. Äußerst attraktiv.

Allerdings mit dem Nebeneffekt, dass die Größe der Anlage eine regelmäßige TÜV-Prüfung erforderte und die Verantwortung für Unfälle der Verein trägt.

Weiterhin scherten sich die Kinder nicht um die Mittagsruhe und die Größeren veranstal- teten regelmäßig Trommelkonzerte auf dem Blechbelag der Rutsche.

Deshalb wurde die Anlage nach einigen Jahren wieder entfernt.

Jetzt, da alle wesentlichen Reko-Maßnahmen abgeschlossen sind, wird der Verein bis 2014 den Spielplatz neu und umfeldfreundlich gestalten.

 

Leipzig, 15.03.2013

 

Im Auftrag des Vorstandes

        Peter Kanis                                 Werner Pfützner

1.Vorsitzender                                      Chronist

 

Sommerfest 2012: Im Mittelpunkt die Kinder, wie schon immer.

 

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